Eine Zeitreise in die Vergangenheit

 

1992 –  BUHL Personal-Service startet erste Expansionswelle!

Helmut Kohl ist Bundeskanzler, Dänemark gewinnt sensationell die Fußball-Europameisterschaft und im Kino läuft „Basic Instinct“ mit Sharon Stone und Michael Douglas. Die Postleitzahlen sind noch 4-stellig (erst 1993 erfolgte die Umstellung), man bezahlt mit der guten alten D-Mark und die Mehrwertsteuer beträgt 14 %! Der Mauerfall ist noch allgegenwärtig, die deutsche Wiedervereinigung ist Dauerthema, es gibt weder Internet noch E-Mail, auch noch keine Laktose-Intoleranz …

… und BUHL gründet 8 Niederlassungen, verstreut in ganz Deutschland, die nun ihr 25-jähriges Jubiläum feiern! 1992 war für das Unternehmen BUHL richtungsweisend, damals wurde die Grundlage für das heute so erfolgreiche Konzept gelegt:

Hermann und Charlotte Buhl 1992 in der Augsburger Kongreßhalle

Als erster Personal-Dienstleister für Gastronomie-Kräfte leisteten Hermann und Charlotte Buhl in den 90er-Jahren Pionierarbeit. Trotz zahlreicher bürokratischer Hindernisse und damals verbreiteter Vorurteile gegen den Verleih von Arbeitskräften bauten sie in kürzester Zeit ein florierendes Unternehmen auf, das bald deutschlandweit gefragt war.

Anlässlich des Jubiläumsjahres 2017 erinnert sich Geschäftsführerin Charlotte Buhl an die aufregende Zeit des Aufbaus:

 

 

 

Zeitungsauschnitt Der Wertinger Zeitung. Hermann Buhl in Aktion – gefragter Einsatzleiter bei Käfer, Lufthansa, Maritim u.a.

Frau Buhl, 8 Niederlassungen, die in ganz Deutschland verstreut lagen. Wie haben Sie das denn geschafft, ohne Computer, Internet und E-Mail? Sie waren sicher Tag und Nacht unterwegs?

Ja, der persönliche Kontakt war schon sehr wichtig, und da blieb nichts anderes übrig, als auf Reise zu gehen. Büros anmieten, Bewerber einstellen, den Aufbau der Niederlassungen begleiten. Aber es hat riesig Spaß gemacht, mein Mann und ich waren in Aufbruchstimmung. Es war alles neu, eine tolle Herausforderung sowohl der Aufbau des operativen Servicegeschäfts als auch der internen Verwaltungsstrukturen.

Durch das Reisen haben wir Deutschland kennengelernt, die Vielfalt der Mentalitäten, die Schönheit unserer Städte. Ich möchte diese Zeit nicht missen.

Natürlich gab es hie und da auch Rückschläge. Aber damit muss man leben. Das Positive überwog auf jeden Fall.

Apropos Reisen: Auch das Navigationssystem im Auto war zu dieser Zeit noch unbekannt. Wenn mein Mann und ich gemeinsam unterwegs waren, musste ich als Beifahrerin die Karte lesen – das war nicht immer stressfrei! Alleine bin ich auch oft geflogen – mit Augsburg Airways nach Berlin-Tempelhof, was zur damaligen Zeit so kurz nach der Wende noch einer Zeitreise in die Nachkriegszeit glich …

Brockhaus statt Google, Fax statt E-Mail, Overhead-Projektor statt Beamer – der Arbeitsalltag in den 90ern würde so manchen Digital Native heute vor unlösbare Probleme stellen. Aber auch damals mussten ja Rechnungen geschrieben und Auftragsbestätigungen versandt werden …?

Gut, wir hatten schon Computer, aber diese waren vom heutigen Standard noch weit entfernt. 1989  waren wir  bei uns  im Büro (damals noch in der Kongresshalle Augsburg) mit dem ersten PC und einem Lohnabrechnungsprogramm (dalog, das wir erst 2003 durch winlog ersetzten) ins digitale Zeitalter gestartet.

Wir statteten von Anfang an jede Niederlassung mit einem PC aus. Das Betriebssystem war MS-DOS, das erste von Microsoft. Word 5 war das Schreibprogramm, mit dem man schon ganz ordentliche Briefe schreiben konnte. Excel kannten wir noch nicht, da das Programm damals noch nicht allgemein verbreitet war.

Dafür gab es in jedem Büro noch eine elektrische Schreibmaschine (mit kleinem Display – sensationell fortschrittlich damals), mit der Einsatznachweise, Auftragsbestätigungen, Arbeitnehmerüberlassungsverträge und Kontrollmeldungen (gibt es heute nicht mehr) geschrieben und Formulare ausgefüllt wurden, die dann per Fax oder per Post verschickt bzw. persönlich zum Kunden gebracht wurden.

Für die Rechnungstellung wurde schon ein einfaches Programm verwendet. Ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob wir die Rechnungen in dieser Anfangszeit in den Niederlassungen schreiben ließen, jedenfalls haben wir diese Arbeiten bald nach Augsburg bzw. Wertingen geholt.

Im November 1992 fand übrigens die erste große interne Mitarbeiter-Schulung in Augsburg statt (damals noch in der Kongresshalle Augsburg). Hauptthemen waren die Einstellung und Beschäftigungsmodelle der externen Mitarbeiter. Damals wurde der Grundstein für die noch heute geltenden Einstellungskriterien gelegt. Ich konnte mit keiner Power-Point- Präsentation aufwarten – das gab es damals nämlich auch noch nicht – sondern malte schöne Folien für den Tageslichtprojektor. (Beamer war ein unbekanntes Wort).

 

Disponieren ohne Computer? Kann man sich gar nicht mehr vorstellen … Wie geht das denn?

Das geht ganz gut. Man braucht nur große, übersichtliche Listen, auf der einen Seite Personallisten auf der anderen Seite Auftragsübersichten. Alles natürlich händisch mit Bleistift auszufüllen, damit man Änderungen wegradieren kann. Die Dispo-Wandtafeln, die heute noch in etlichen Niederlassungen verwendet werden, sind aus diesem Prinzip entstanden.

Stichwort Kommunikation: Die weltweit erste SMS wurde erst am 3. Dezember 1992 verschickt – mit dem Text „Merry Christmas“ von einem PC an ein Mobiltelefon. Dass die Nachricht angekommen ist, erfuhr der Versender über den Rückruf per Telefon – denn Zurückschreiben ging damals noch nicht. Heute unterhält man sich über WhatsApp, Twitter und Facebook … Aber 1992? Wie haben Sie damals eigentlich Ihre Mitarbeiter in den Niederlassungen über wichtige Entscheidungen informiert?

Das Faxgerät (bei uns seit 1987 im Einsatz) war im schriftlichen Verkehr das schnellste Kommunikationsmittel. Viele Infos, Rundschreiben (Vorläufer unserer Nachrichten aus der Geschäftsleitung) wurden per Fax versendet. Aber auch der Postversand spielte noch eine große Rolle.

Und natürlich war das Telefon das wichtigste mündliche Kommunikationsmittel. Aber man konnte nicht so einfach nach dem Handy greifen, das gab es damals nämlich noch nicht. Wir nutzten das Festnetz im Büro und draußen auch mal die Telefonzelle, wenn man unterwegs war.

Auch bei Großeinsätzen war die Kommunikation etwas beschwerlicher. Aber man konnte sich immerhin Funkgeräte ausleihen.

Das Smartphone ermöglicht heute ja ein Rund-um-die-Uhr-Multifunktions-Büro im Taschenformat: Jeder ist immer und überall erreichbar. Damals war auf dem Weg nach Hause auch tatsächlich Feierabend. Haben Sie damals weniger gearbeitet?

Das würde ich so nicht sagen. Gearbeitet habe ich immer schon sehr viel. Klar war niemand rund um die Uhr erreichbar, aber ich konnte ja, so lange ich wollte, im Büro bleiben, was bei mir auch regelmäßig der Fall war.

Übrigens: Ich halte nichts von dieser Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit. Jeder, egal ob Arbeitgeber oder Mitarbeiter, muss auch mal offline sein können. Und so mancher „Digital Native“ würde dann feststellen, dass davon die Welt auch nicht untergeht!

Frau Buhl, vielen Dank für diese kleine und sehr informative Zeitreise ins Jahr 1992!

⊂ JUHO ⊃